Freitag, 9. September 2011

Das Beutli

Es gibt scheinbar tatsächlich Verhaltensweisen, die sich im Grundsatz niemals ändern. So wechseln vielleicht die Personen, der Ort und natürlich die Zeit – doch man erlebt ein ständig wiederkehrendes Schauspiel. 
So stehe ich vorhin also an der Kasse meines Lieblingssupermarktes. Lauschend und schmunzelnd ...
„Ach, Frau Sowieso. Wie geht es ihnen denn?“
„Och ... na ja ...“ – und dann begann Frau Sowieso aufzuzählen. Puh ... ich fühlte mich schon allein vom Zuhören ganz schlecht. Dass diese Frau überhaupt noch stehen konnte. Ohne Flachs, aber jeder normale Durchschnittsmensch hätte sich bei derartigen (und derartig vielen) Beschwerden schon ... ich umschreibe das jetzt mal ganz vorsichtig: abgemeldet. Aber nicht so diese Frau. „Ja, und wie geht es ihnen?“, fragte sie nach einigen Minuten ihr Gegenüber. Völlig unerwartet reagierte dieses mit: „Och, gut. Ich kann mich eigentlich nicht beschweren.“ Dann war einen Moment lang Stille. Keiner der beiden sagte einen Ton. Bis die Gebeutelte ihren ersten Schock wohl überwunden hatte. „Och, na ja ...“ , sprach sie und rang nach Fassung.   
Was soll ich sagen – die Stille war kurz gewesen und definitiv vorbei, da die Gebeutelte es tatsächlich schaffte, noch mehr Wehwehchen hervorzuzaubern.
Warum ich bei so etwas schmunzele? Wenn jemand krank ist, so tut mir das leid. Wirklich! Aber Ihr habt leider nicht sehen können, wie flott die Gebeutelte noch unterwegs war, bevor sie auf ihr Opfer traf. Beutli konnte nicht nur zügig, sondern auch sehr aufrecht gehen. Um an die schönsten Gurken zu kommen, reckte sie sich athletisch über die unteren, weniger schönen Gurken hinweg. Ein 6er-Pack Wasser (1,25l/Flasche) balancierte sie auf dem kleinen Finger in ihren Einkaufswagen. Und: keine Ahnung, was sie aus der Kühltruhe zu angeln versuchte, aber es glich einer neuen Kunstturn-Disziplin. Bei einer Bewertung von 1 bis 10 ... also, eine 9,5 war das locker! Doch – ach wie dumm – fünf Minuten später gelang es ihr noch nicht einmal mehr, die wunderschönste aller Supermarktgurken ohne Geächze und Gestöhne aufs Band zu legen? Ich war nicht schockiert ... nö ... ich begnügte mich mit einem leichten Schmunzeln.

Gute Besserung, liebes Beutli!

Kommentare:

  1. ...und ich schmunzle mit dir♥
    und wünsche dir ein Wochenende ohne Bresten und voller Freuden mit Sonnenschein im und ums ♥
    Brigitte

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  2. Ich denke, dass diese armen Menschkinder ganz schön einsam sein müssen und deshalb so krampfhaft nach Aufmerksamkeit lechzen. Wenn ich in die Verlegenheit komme, diese Gespräche unfreilig zu belauschen, klappe ich automatisch die Ohren zu, weil ich mich nicht nach Entfernen des Geschäftes, auch noch ganz krank fühlen möchte...
    Wo gehst Du nur immer einkaufen...? ;-)
    Ganz lieber Gruß, die Line

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  3. Liebe Sonja,
    auch ich konnte so richtig schmunzeln! Irgendwie wohnen hier auch sehr viele Beutlis, überall nur Beutlis. Ich bin dafür, dass Deine Wortschöpfung in den Duden aufgenommen wird!
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende,
    alles Liebe,
    Uschi

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  4. Beutlis wohnen bei uns in der Gegend auch genug.Bei manchen weiß man schon,dass man am Besten nicht nach dem Wohlbefinden fragt,vor allen Dingen,wenn man in Zeitnot ist.Gruß Omama

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  5. hahaha.....verflixt nochhmal, warum erzählen alle ab einem gewissen alter, nur über krankheiten???ß also ich habe....und dann, hab ich schon erzählt das??????LG und danke fürs verfolgen! gglG

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  6. ps. wo kann man sich denn bei dir anmelden????ich versuchs später nochmal! grüssele

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  7. @ TinnyMey
    Das freut mich, dass Du hier bleiben magst :0)
    ... funktioniert es nicht über die Leiste da oben??? Bist nicht die erste, die fragt :0(

    @ alle
    Schön, dass Euch so etwas auch zum Schmunzeln bringt!
    Ich bekomme in solchen Situationen übrigens keine imaginären Wehwehchen, sondern freue mich darüber, dass meine gelegentlichen Zipperleins völlig belanglos sind! So muss/kann ich mir eben anderswo Futter fürs Blog holen! ;0)

    Liebe Grüße an Euch alle,
    Sonja

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  8. Man hätte Frau Beutli (toller Name) sofffortttt einen Notarzt rufen müssen! lol
    Das Schlimme an so'ner Situation: Man kann bzw.will ja nicht unhöflich werden. Naja, meist sind solche Krankis sowieso total merkbefreit, auch wenn man höflich witzig etwas anbringen möchte. Humor ist denen nämlich u.A. auch fremd. Liebe Sonja, Du scheinst den gleichen Markt wie ich zu haben, hahaha

    Liebgruß,
    Tiger
    =^.^=

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  9. PS:

    Ich hab Dich nun endlich mal in meiner Vorschau-sidebar verlinkt, damit ich nichts mehr versäume ! ;-)
    Ich denk ja, es ist Dir Recht, sonst gib Laut!

    LG

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  10. funktioniert immer noch nicht :-(, habe aber auch bei mir 1-2 leser die sich nicht anmelden können....wie doof!
    schönes WE

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  11. @ Tiger
    Finde ich toll! Muss ich auch unbedingt mal auf meine Seite machen!

    @ TinnyMey
    Eigenartige Sache. Schade. Vielleicht klappt´s ja doch noch irgendwann. Würde mich freuen.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Sonja

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  12. Ach ihr habt diese Beutlies nur alle paar Tage. Mir schmieren sie mit ihren Krankenakten JEDEN TAG die Ohren voll. Mir aht damals leider keiner gesagt, dass ich als Brötchen-Brot-Kuchenverramscherin auch als Seelenklemptner herhalten muss. Tolle Wurst! Und wehe dem ich erwähne nur kurz ein Zipperlein im Kopf. "Sie sind noch jung! Sie können noch nichts haben!" Danke ihr Beutlies, muss ich erst Ü-60 sein und einen Rentnerporsche schieben??? Einen lieben Gruss an alle, die mal wieder von einem Beutli geplagt werden, eure Bäcker-Maus

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  13. Ach, das zu lesen war jetzt echt der Knaller! Du kannst ganz ganz toll schreiben. Ich war richtig gefesselt. Und habe alles auch in meinen Beobachtungen so wiedererkannt :o)
    Klasse!
    Lieben Gruß
    Sandra

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  14. Oh - nach "Rücken" die zweite große Volkskrankheit: Jammeritis. Kann man nur bekämpfen indem man bewusst gut drauf ist und jedes Jammern mit Wohlbefindensverkündigungen abstraft.
    In diesem Sinne einen wunderbaren sonnigen Abend!

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